Theaterpädagogik

MACHT MIT!
EDDI UND WIR


„Eddi, wo bist du?“, ich lief im Foyer vor ein paar Tagen herum, und suchte den verrückten Vogel. Manchmal ist er da und liegt an wie der böhmische Nebel und manchmal steckt er irgendwo, und scheint absichtlich meine Rufe nicht zu beachten. Ausnahmsweise brauchte ich ihn wirklich, weil ich ihm jemand vorstellen wollte. Es ist nicht ratsam, ohne Vorbereitung Menschen zu ihm zu bringen. Für beide Seiten kann es zu einer, im erschreckenden Sinne, unvergesslichen Begegnung kommen. Ich lief also und rief und freute mich, dass außer der lieben Pförtnerin, keiner im Haus war. Viele hörten schon von Eddi, aber die wenigsten haben das Vergnügen gehabt, ihn zu treffen. Hin und wieder berichtet nur jemand, dass er ein Flattern im Treppenhaus gehört hat. Die Geräuschquelle blieb aber bisher meistens verborgen. Ich versuche auch unsere Zusammenkünfte so zu arrangieren, dass ich so ziemlich sicher bin, dass keiner uns sieht. Nur diesmal wollte Eddi offenbar nicht mit mir reden. Was sehr ungewöhnlich ist – er kann nämlich ununterbrochen quasseln. Er will alles über das Theater lernen, weil er sich als Beschützer des Hauses versteht. Seit dem letzten Jahr ist sein Ego noch mehr gewachsen, was mich immer wieder zu der Frage bringt: Wie kann so viel Selbstbewusstsein in so einen kleinen Körper hineinpassen?

Nach einer Weile wurde mir das Suchen zu blöd. Wenn er nicht will, dann will ich eben auch nicht. Man merkt’s, Eddi kann mich in ein trotziges Kind verwandeln. Sein Wesen färbt auf mich immer mehr ab. Ich ging zurück zur Bambergstraße, wo mein „Büro an der Sonnenseite“ liegt und setzte mich vor den Bildschirm, um eine Nachricht zu schreiben. „Ich muss das Treffen verschieben“, dachte ich feige. Der Vogel wird sonst einen sehr schlechten Eindruck machen und ich muss dann alles wieder geradebiegen.
„Klong, klong“, klirrte es am Glas meiner Bürotür. „Es ist doch keiner da …“, schaffte ich noch mich kurz zu wundern, bis es mehrfach klongklongklongte. Ich bekam Angst vor dem Scheibenbruch und riss panisch die Tür auf.
„Wo warst du so lange? Hast du was zu essen? Wo sind denn alle? Warum sind alle nicht da?“, tschirpste Eddi während er alle Blätter auf meinem Schreibtisch mit seinem Flattern durcheinanderwirbelte. „Setz dich doch irgendwo hin und iss einen Keks“, befahl ich geistesgegenwärtig. Kekse helfen immer. Er flog zum Sofa und erzählte unterwegs, dass er hier ist, weil er sich zum Theatergeburtstag die Werkstätten angeschaut hat und es gefällt ihm hier und ob ich denn die ganzen Kostüme schon gesehen habe und die Farben findet er toll und … Zum Glück war der Keks dann da und ich konnte übernehmen.
„Eddi, ich möchte dir bald jemanden vorstellen …“ „Her is as?“ „Mit vollem Mund spricht man nicht“. Ich wischte mir die Kekskrümel vom Gesicht, „Ich will es dir gerade erzählen. Wir bekommen Verstärkung. Bald kann auch sie dir vom Theater erzählen. Sie ist Theaterpädagogin und heißt Frieda Dumke. Sie wird ab der neuen Spielzeit einmal die Woche hier sein.“ „Wo kommt sie her? Kann sie fliegen? Kennt sie mich? Ist…?“
„Warte mal ab. Bald kannst du ihr deine Fragen stellen. Eine Bitte nur: Lass sie zu Wort kommen, ja?“, sagte ich mit Nachdruck und strenger Miene, in der Hoffnung, dass ich einen erwachsenen Eindruck auf ihn mache. Den Zweifel, dass es mir gelungen ist, habe ich mir nicht anmerken lassen wollen. „Na dann, wann kommt die Neue? Es kann losgehen!“, pfiff Eddi ungeduldig. Oh, ja, es kann losgehen!

Eure Asia Schreiter und Frieda Dumke

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